Gemischt aus Meereswind und südlichem Licht, ist die Luft auch ein Symbol.Mythen haben ihr stets eine besondere Kraft zugeschrieben: Im antiken Griechenland hatte jeder Wind seinen Namen und seine Stimmung (Boreas, Zephyr, Eurus), mal Träger von Stürmen, mal von Liebesversprechen. Bei den alten Ägyptern belebte der göttliche Atem das Universum; bei den Hindus verkörpert der Gott Vayu das Prana, diesen Lebensatem, der in jedem Wesen zirkuliert. Für die amerikanischen Ureinwohner war der Wind ein Geist, Bote der Ahnen und Hüter der heiligen Richtungen.
Überall war er mehr als nur ein Luftzug: eine Stimme, eine Präsenz, eine unsichtbare Energie. Warum also hier nicht auch ihn als Parfümeur vorstellen? Die Parfumhistoriker beschreiben die Luft von Grasse als ein olfaktorisches Universum, bereichert durch Jahrhunderte an Fachwissen und Ernten.
Eine von der Literatur verwandelte Realität: Patrick Süskind macht in Das Parfum Grasse zu einem mythischen Ort, an dem die von Blumen gesättigte Atmosphäre beinahe greifbar wird. Für Jean-Baptiste Grenouille, die Hauptfigur des Romans, ist jeder Duft ein Rohstoff, den es zu erfassen gilt, jede Note eine Substanz, die es zu formen gilt. Zwischen Mythos und Geschichte, Realität und Vorstellungskraft weht L’ Air de Grasse eine fröhliche und duftende Brise.